Emotionale Blockaden ... AD(H)S 4

Emotionale Blockaden - Verarbeitung "traumatischer" Erlebnisse ...?...

Der Mensch verarbeitet alle Informationen, die er tagsüber 'gesammelt' hat, im Schlaf. Entscheidend sind dabei die so genannten REM-Phasen des Schlafes. Schlafphasen, in denen die Augen unter den Lidern recht zügig Rechts-Links-Bewegungen durchführen (Rapid-Eye-Movement).

Diese Rechts-Links-Hirnstimulation, die daraus resultiert, können wir als unsere 'Müllverbrennungsanlage' ansehen - die über den Tag aufgenommenen Informationen sind der 'Müll', der verarbeitet werden muss.

 

'Müll', der keinen traumatischen Charakter hat, wird in diesen Phasen ganz automatisch verarbeitet und in unserem Gehirn abgelegt, wie in einem Archiv, wie im PC ein Speichern von Informationen auf der Festplatte.

 

'Traumtische' Erlebnisse sind zu intensiv, zu umfangreich  für diese 'Müllver- brennungsanlage', sie bleiben sozusagen 'stecken'.

 

... REIZOFFENHEIT ...

AD(H)Sler sammeln durch ihre immense Reizoffenheit über den Tag einen viel größeren 'Müllberg' an, vor allem auch den, wie ich oben beschrieben habe, 'traumatischen' Müll. Sie bräuchten daher im Grunde genommen eine viel leistungsstärkere Müllverbrennungsanlage.

Aber leider ist das Gegenteil der Fall. Da die Regulationsstörungen bei AD(H)S auch den Schlaf-Wach-Rhythmus betreffen, haben Betroffene einen viel schlechteren Schlaf als Nicht-Betroffene - insbesondere ca. 15-20 Minuten weniger dieses so immens wichtigen REM-Schlafes pro Nacht.

 

Das Verhältnis von 'Müllberg' zur Leistung der 'Müllverbrennungsanlage' ist also sehr ungünstig - es bleibt daher Vieles unverarbeitet zurück. Und am nächsten Tag häuft sich wiederum noch mehr an. Der Berg dessen, was unverarbeitet bleibt, wird immer größer - anders gesagt, wenn wir beim Modell des PCs bleiben: es bleiben immer mehr Fenster im PC geöffnet.

Und diese offenen Fenster mit unverarbeiteten Inhalten aus der Vergangenheit blockieren die Arbeit im Fenster für den aktuellen Tag. Die Leistung des PCs nimmt zwangsläufig ab.

 

Genau an diesem Anderssein der Verarbeitung im Gehirn bei AD(H)S scheitern häufig die bisherigen zur Verfügung stehenden psychotherapeutischen Verfahren. Sie versuchen hauptsächlich über die kognitive Ebene (das Wahrnehmen und Denken) das  Verhalten zu verändern - aber der nicht verarbeitete Anteil des 'Mülls' betrifft die Emotionsebene.

 

Durch die Arbeit in einer Gespräch- oder Verhaltenstherapie wird den Betroffenen zwar deutlicher, was nicht klappt, was geändert werden müsste - aber häufig wissen diejenigen das schon von sich aus, scheitern nur an der Umsetzung.

 

Ein "Sich über Sachverhalte klarer werden" kann durchaus auch negative Rückkopplungen haben, gerade weil die Umsetzung nicht gelingt und das erneut Frustration - und damit negative Gefühle - nach sich zieht.

 

Wird dann in den therapeutischen Sitzungen wieder darüber gesprochen, was erneut nicht gelingt, werden immer wieder negative Gefühle ausgelöst und es kommt zu einer fortwährenden 'flachen' Traumatisierung und Retraumatisierung, wodurch noch mehr "Müll" angehäuft statt abgearbeitet wird. 

 

 

 

Die Folge dieser Dynamik ist nicht selten, dass Patienten in einer Psychotherapie recht schnell therapiemüde werden und frustriert sind, oder die TherapeutenInnen im Nichtwissen um diese Besonderheiten bei AD(H)S eine mangelnde Compliance (Mitarbeit) annehmen.

 

Eine entsprechende Schulung bzw. ein Sich-Auseinandersetzen der TherapeutenInnen mit der anderen Netzwerknutzung, den anderen Reaktionen und Empfindungen auf Ereignisse und Erlebnisse bei Menschen mit AD(H)S kann den Erfolg einer Therapie deutlich erhöhen.

Denn darin sollte es nicht vornehmlich um das gehen, was bisher alles nicht geklappt hat, sondern darum, dass der Patient lernt seine eigenen Reaktionsmuster und Empfindungen zu verstehen. Er sollte lernen zu akzeptieren, was sich nicht ändern lässt - sowie erkennen, wo seine Stärken liegen. Außerdem ist wohldosiertes Lob und Anerkennung dessen, was alles gut gelingt, unerlässlich. Denn Betroffene scheitern im Grunde genommen Zeit ihres Lebens immer wieder an Kleinigkeiten, besonders im Alltag. Bei den meisten ist negative Kritik ein ständiger Begleiter und Lob Mangelware.

 

 

... AKTIVIERUNG NUR DURCH HOCH POSITIVE REIZE ...

AD(H)Sler benötigen für die Aktivierung im Gehirn, für das Anschalten, einen großen positiven Reiz.  

Dieser kann sowohl von einer Sache, einem Ereignis als auch von einer Person ausgehen. Ohne diesen ausreichend positiven Reiz sind sie nicht angeschaltet und fühlen sich auch nicht gut.

 

Genauso verhält es sich umgekehrt, dass ein vom Gehirn als negativ bewertetes Ereignis, eine Sache oder Person während einer Phase der Aktivierung ganz schnell zum Abschalten führen kann.

 

Viele Eltern erleben das mit ihren Kindern bei den 'geliebten Hausaufgaben'. Ist das Kind zuvor noch gut drauf, ist es von einer auf die andere Sekunde wie ausgewechselt, wie abgeschaltet und nicht mehr erreichbar, wenn es um die Schulaufgaben geht.  

Aber auch Erwachsene kennen diesen abrupten Motivations- und Antriebsverlust, oft verbunden mit Ärger und schlechter Stimmung, bei 'ungeliebten Aufgaben' im Haushalt oder im Beruf, aber auch wenn der Partner oder die Kinder 'nerven'.  

 

 

Für die Bewältigung des Tages, mit dem andauernden Wechsel von "online"- und "offline"-Schaltung im Gehirn, benötigen Menschen mit AD(H)S immens viel Kraft - denn es müssen ja irgendwie  "Kompensationsmechanismen" her, damit der Tag trotzdem einigermaßen gelingt. 

 

Nicht umsonst fühlen sich viele AD(H)Sler, besonders im Erwachsenenalter, permanent erschöpft. 

Dieses Mehr an Kraft können Nicht-Betroffene ganz anders nutzen, weil sie Routine und Alltag verinnerlicht, verautomatisiert haben.

 

Genau diese Verautomatisierung gelingt im Verlauf bei AD(H)S nur sehr schwer bzw. schlecht und nur unter immensem Kraftaufwand oder über Kompensationsmechanismen, die dann häufig selbst eine Störung darstellen - so genannte Co-Morbiditäten (Zwang, Angst, Depression, Sucht).

 

 

... PSYCHOTHERAPIE ... UND WAS SONST ...?...

Bzgl. der emotionalen Blockaden, der flachen (Re-)Traumatisierungen ist mittlerweile ein neues Konzept und Handwerkszeug verfügbar, welches da ansetzt und Entlastung schafft, wo bisher nur wenig erreicht werden konnte - nämlich auf der emotionalen Ebene.

Dieses Konzept ist für die Selbstanwendung im Bereich AD(H)S sowie Autismusspektrumsstörungen in einer privaten Forschungsinitiative entwickelt worden und ist unter dem Namen emoflex® (nach Johannes Drischel) in der Szene mittlerweile nicht mehr ganz unbekannt.

 

Im therapeutischen Kontext arbeite ich mit dem darauf aufbauenden ''SynestheticProcessing" - ebenfalls nach Johannes Drischel.

 

Mehr darüber finden Sie auf den Seiten über Stress.

 

AD(H)S ist somit eine ernstzunehmende Störung, die in erster Linie neurobiologische Ursachen hat (eine Dysregulation im Bereich der Neurotransmitter) und zu einer anderen Art der Informationsverarbeitung im Gehirn führt. Dadurch zeigen Betroffene nicht nur die typischen Symptome der Aufmerksamkeitsstörung - wohlgemerkt bei subjektiv Uninteressantem - sondern sie sind besonders durch ihre hohe Reizoffenheit und Reizfilterschwäche gefährdet, alltägliche Situationen als extrem stressig, für sie traumatisch zu erleben und emotional zu blockieren.

 

Ein möglichst frühzeitiges Erkennen der Störung einschließlich adäquater Diagnostik und die ausführliche Aufklärung der betroffenen Patienten und deren Familien (Eltern, wenn möglich Großeltern, Partner, ...) ist die Grundlage für eine individuell erfolgreiche Therapie.